Hertha spielt mit dem Feuer

Die Schere zwischen den beiden Proficlubs aus der Hauptstadt klafft immer mehr auseinander. Die Köpenicker sind im internationalen Geschäft und haben aktuell sogar die Champions-League im Visier. Hertha kämpft um das sportliche Überleben in der 1. Bundesliga und steht finanziell eher am Abgrund.

Eine mittelmäßige Leistung reichte den aufstrebenden Köpenickern, um den Lokalrivalen in Schach zu halten. Die Reaktion der Führungsetage, der Hertha sorgte zunächst für Verwunderung. Öfter mal was Neues, nicht der Trainer musste gehen, sondern sein Vorgesetzter. Eine Entscheidung, die nicht angesichts der Derbyniederlage spontan gefällt wurde, sondern wohlüberlegt, bereits vorher feststand. Fredi Bobic wäre auch im Falle eines Sieges freigestellt worden.

Ein sichtlich gezeichneter Hertha-Präsident erläuterte die Maßnahme am Sonntag, 29.01.2023, auf einer Pressekonferenz. Ein designierter Nachfolger wurde gleich präsentiert. Die Hertha DNA soll es jetzt richten. Neben Weber wurde auch Andreas „Zecke“ Neuendorf zurückgeholt. Allerdings ist zu fragen, ob solch ein Schritt, zu diesem Zeitpunkt nicht zu große Risiken birgt. Benjamin Weber verfügt über keinerlei Erfahrung als Sportdirektor, muss sich schnell einarbeiten und zunächst mit dem klarkommen, was Bobic und seine Entourage angerichtet haben.

In der Journaille schießen die Spekulationen ins Kraut. Es war bekannt, dass Kay Bernstein und Bobic nicht das allerbeste Verhältnis zueinander hatten. Zudem soll der Präsident öfter versucht haben, sich in sportliche Entscheidungen einzumischen. Konkret soll es Vorschläge für Spielertransfers gegangen sein. Als Beispiel wird hier der vertragslose Max Kruse angeführt.

Fredi Bobic soll der bestbezahlteste Manager in der Bundesliga gewesen sein. Dazu hat er einen ganzen Stab an Mitarbeitern mitgebracht. Mit Bobic müssen auch der Technische Direktor Sebastian Zelichowski und Teammanager Thomas Westphal gehen. Es sind vielleicht nicht die Letzten, den um die Finanzen ist es alles andere als gut bestellt. Bleiben darf (wie lange?) der Kaderplaner Dirk Dufner. Gerüchteweise sollen bis zum Transferschluss noch vier neue Profis kommen.

Auf dem Zettel stehe etwa der offensive Mittelfeldspieler Selim Amallah von Standard Lüttich – der belgische Spitzenklub wurde im März vergangenen Jahres von 777 übernommen. Auch Stürmer Maximilian Philipp (VfL Wolfsburg), Flügelspieler Gauthier Hein (AJ Auxerre) und Innenverteidiger Jannik Vestergaard (Leicester City) seien ein Thema in der Hauptstadt. Da lediglich ein Budget von fünf Millionen Euro zur Verfügung stehe, sei allerdings unklar, wie die Transfers realisiert werden könnten.“

Egal wie, die Entscheidung hat überrascht und vielmehr der Zeitpunkt. Man hätte diese Entscheidung eher am Saisonende erwartet. Allerdings spielte hier wohl auch eine Rolle, dass Bobic seinen bis 2024 laufenden Vertrag selbst per Option hätte verlängern können. Dieses Geld hat Hertha nicht. Eine Abfindung wird trotzdem fällig werden.

Der neue Sportdirektor dürfte in den nächsten 48 Stunden kaum zum Schlafen kommen, muss sich ganz schnell einen Überblick verschaffen und die richtigen Entscheidungen treffen, eben ein Spiel mit dem Feuer. Es müssen wieder Erfolge her, irgendwie Punkte gesammelt werden, der Blick auf die bevorstehenden Aufgaben, Eintracht Frankfurt (auswärts), Gladbach daheim und anschließend Borussia Dortmund wieder auswärts, wie viele Punkte mag das geben?

Hans-Peter Becker

Volleyball 2. Bundesliga Damen: BBSC hat sich beim Tabellendritten teuer verkauft

TSV Bayer Leverkusen: BBSC Berlin 3:1 (14, 20, -20, 22)

Die Damen des BBSC Berlin nutzten ihre Auswärtsfahrt zum Tabellendritten, um diesen trotz reduziertem Kader zumindest in drei Sätzen gehörig zu ärgern. Aber für einen Sieg reichte es leider nicht.

Die Rheinländerinnen setzten die Gäste von Beginn an mit ihren Aufschlägen und kraftvollen Angriffsaktionen ordentlich unter Druck. Der BBSC – wegen Krankheit und beruflichen Verpflichtungen nur mit neun Athletinnen angereist – benötigte nach der 580km-Fahrt am Sonntagmorgen einige Zeit, um in das Spiel zu kommen. Mit Beginn des zweiten Satzes war man hellwach und hielt lange Zeit mit. Erst zum Satzende konnte sich Leverkusen deutlich absetzen. Der dritte Satz ging sogar zugunsten der Berlinerinnen aus, die dem Spiel in dieser Phase durchaus den Stempel aufdrückten. Auch im vierten Satz dominierten zunächst die Gäste. Über 14:9 bis zu 19:16 führten die Berlinerinnen und hielten sich die Chance auf einen Tiebreak offen, dann erhöhte Leverkusen erneut den Aufschlagsdruck, die Berliner Abwehr wackelte und der BBSC musste Satz und Match leider abgeben.

Trainer Tietböhl war trotzdem nicht unzufrieden: „Mit unserem Miniaufgebot haben wir ab dem zweiten Satz ordentlich gegengehalten und dem Favoriten mit einer sehr geschlossenen Mannschaftsleistung einen Satz abgetrotzt. Nun heißt es ordentlich trainieren, und das hoffentlich mit besserer Mannschaftsstärke als in der letzten Woche, um auch wieder spielnahe Situationen auf dem Feld üben zu können. Am nächsten Samstag trifft der BBSC um 19 Uhr auf Allbau Essen“.

Zur Berliner MVP wählte der Leverkusener Trainer Außenangreiferin Annalena Grätz.

Für den BBSC im Einsatz: Natalie Sabrowske, Katharina Kummer, Roxana Vogel, Annalena Grätz, Annika Kummer, Antonia Heinze, Katharina Haferkamp, Antonia Lutz, Alina Gottlebe-Fröhlich

Quelle: Burkhard Kroll/BBSC Berlin

Kommentar zur Krisen-Pressekonferenz von Hertha BSC

29. Januar 2023: Für nicht angebracht halte ich es, wenn ein Verein sportlich so am Boden liegt, dann auch noch ordentlich draufzuhauen. In Vorahnung der Dinge, den jetzigen VfB Stuttgart-Trainer fanden viele in Berlin gar nicht so schlecht. Nach der 0:5 Heimpleite gegen Wolfsburg und der neuerlichen 0:2 Niederlage im Stadtderby kommentierte ich in meinem letzten Artikel, behutsam zwischen den Zeilen, den Quotenunterschied zwischen Trainer Sandro Schwarz und Bruno Labbadia. Mir war klar, bei Hertha muss etwas geschehen. In solchen Fällen ist zu 90 % das schwächste Glied, der Trainer, der gehen darf. Bei Hertha bekam und bekommt(?) Sandro Schwarz eine Beschäftigungsgarantie. Gefeuert wurde, Fredi Bobic, der den Trainer verpflichtete. Dem Verein wird diese Entlassung, nicht weniger kosten, als der Rauswurf eines Trainers, vielleicht sogar mehr. Während auch Bobics Mitstreiter Sebastian Zelichowski (Technischer Direktor) und Thomas Westphal (Teammanager) gehen müssen, bleibt Kaderplaner Dirk Dufner an Bord.

Die auf dem Podium Platz genommenen Verantwortlichen, Präsident Kay Bernstein, Aufsichtsrat-Vorsitzender Klaus Brüggemann, Thomas E. Herrich und Neu-Sportdirektor Benjamin Weber, bekundeten, diese Maßnahme wurde einstimmig getroffen. Das mehrmalige Betonen, die Trennung sei keineswegs gegen Bobic gerichtet, wirft natürlich viele Fragen auf. Erstaunlich die Aussage, Bobic wäre auch entlassen worden, wenn das Derby siegreich für Hertha ausgegangen wäre. Wenn die Maßnahme nicht gegen den entlassenen Sportdirektor gerichtet war, gegen wen war sie denn, zumal so einstimmig, immer wieder von Präsidium und Aufsichtsrat betont? Soetwas muss im Hinterstübchen gründlich vorbereitet werden. Kay Bernstein: „Keiner steckte etwas durch“. Da muss sich ja in den nächsten Tagen entscheidendes tun. Hertha dürfte nicht zur Ruhe kommen.

Die Übereinstimmung der Verantwortlichen ist natürlich enorm wichtig. Erst recht in Verbindung mit den Aussagen, für kostspielige Neuverpflichtungen aktuell keine Mittel und auch keine neuen Gelder in Erwartung zu haben. Um den Abstieg zu verhindern, reicht erfahrungsgemäß Herzblut allein nicht. Hertha-Ikone Zecke Neuendorf wird als Bindeglied zwischen designiertem Sportdirektor Weber zur Mannschaft zukünftig Verantwortung übernehmen. Na dann berate mal Trainer Sandro Schwarz nach den drei blamablen Niederlagen in Folge richtig. Wenn gegen Eintracht Frankfurt auch wieder verloren werden sollte, bricht die Mannschaft, die es nicht mehr ist, mit Abwanderungsgedanken ganz auseinander. So zumindest, ist zu befürchten. Bis 15. März sind seitens Hertha die Lizenzunterlagen, sowohl für die erste als auch für die zweite Liga einzureichen. Und wann schließt das Transferfenster? In zwei Tagen.

Christian Zschiedrich

Siegesserie der Eisbären gerissen – Niederlage in der Overtime

Der Spielplan sorgte für ein zweimaliges Aufeinandertreffen der Eisbären mit den Kölner Haien im Januar. Das erste Heimspiel am 4. Januar 2023 konnten die Eisbären knapp mit 3:2 für sich entscheiden. Dieses Ergebnis war der Zwischenstand nach zwei gespielten Dritteln.

Das erste Tor im Spiel erzielten die Kölner. In der 9. Spielminute überwand David McIntyre den Eisbären Goalie Juho Markkanen. Es dauerte bis zur 17. Minute, da besorgte Frank Mauer den Ausgleich für die Hausherren. Beide Teams hatten nichts zu verschenken. Die Eisbären haben die Pre Playoffs wieder in Sichtweite und für die Kölner ist sogar noch die direkte Qualifikation für das Viertelfinale drin.

Ihr ansteigende Form konnten die Eisbären auch in diesem Spiel nachweisen. Der Mittelabschnitt ging mit 2:1 an die Eisbären. Marcel Noebels besorgte in der 22. Minute den Führungstreffer für die Eisbären. Den Kölnern gelang in der 33. Minute durch Ex-Eisbär Landon Ferraro der Ausgleich. Auf das Powerplay der Eisbären war Verlass. Giovanni Fiore vollendete eine Passkombination zur Führung.

Die Kölner waren ein harter Brocken, verteidigten geschickt und trugen gefährliche Angriffe vor. In der 45. Minute gelang einem anderen Ex-Eisbären, Darin Olver der erneute Ausgleich. Trotz einiger Chancen gelang keinem Team der spielentscheidende Treffer.

Die Entscheidung wurde vertagt. In der Overtime fiel die Entscheidung zugunsten der Kölner. Der Torschütze für war Nicolas Bailen. Es wurde nur ein Punkt für die Eisbären. Vielleicht wird er noch wertvoll.

Hans-Peter Becker

Fotos: © Stephan Wenske

DEL

46. Spieltag 27.01.2023 19:300 Uhr MB-Arena Berlin

Eisbären Berlin – Kölner Haie 3:4 n. V. (1:1, 2:1, 0:1, 0:1)

Aufstellungen

  • Eisbären Berlin: Markkanen (Ancicka) – J. Müller, Ellis (A); F. Hördler (C), Mik; Melchiori, Nowak; Roßmy – White, Boychuk, Fiore; Veilleux, Regin, Mauer; Noebels, Pföderl, Clark; Heim, Zerter-Gossage, Wiederer (A) – Trainer: Serge Aubin
  • Kölner Haie: Pantkowski (Lunemann) – Austin, Sennhenn; Stanton, Bailen; M. Müller, Dietz; Glötzl – Baptiste, Matsumoto, Ferraro; Kammerer, Aubry, Thuresson; Olver, McIntyre, Bast; Proft, van Calster, Üffing – Trainer: Uwe Krupp

Tore

  • 0:1 – 08:49 – McIntyre (Olver) – EQ
  • 1:1 – 16:32 – Mauer (Veilleux) – EQ
  • 2:1 – 21:26 – Noebels (Pföderl, Clark) – EQ
  • 2:2 – 33:17 – Ferraro (Baptiste) – EQ
  • 3:2 – 34:42 – Fiore (White, Ellis) – PP1
  • 3:3 – 44:22 – Olver (McIntyre, Bast) – EQ
  • 3:4 – 62:57 – Bailen (Kammerer, Ferraro) – EQ

Strafen

  • Eisbären Berlin: 2 (2, 0, 0, 0) Minuten
  • Kölner Haie: 6 (0, 4, 2, 0) Minuten

Schiedsrichter

  • Sean MacFarlane, Eduards Odins (Nikolaj Ponomarjow, Marcus Höfer)

Zuschauer

  • 13.828

Was ist los, einst so geliebte Hertha!

Wird 2023 wieder ein Schicksalsjahr für Hertha? Es sieht nicht gut aus, das Abstiegsgespenst schwebt ganz dicht über dem Verein. Der Auftakt nach der Winterpause ging gleich mit einer 1:3-Niederlage gegen den VfL Bochum in die Hose. Unerwartet und enttäuschend, wenn man den positiv klingenden Aussagen während der Vorbereitung traute. Bochum war zu Hause bissiger und wollten den Sieg mehr als die Herthaner. Diesen Einsatz, so hofften die Hertha-Anhänger, würden die Profis in der englischen Woche, im ersten Heimspiel des Jahres gegen den VfL Wolfsburg bestimmt auch zeigen. Das Ergebnis, zu Hause ein 0:5, blamabel, mir fehlen die Worte.

Wolfsburgs Trainer Niko Kovac, Ex-Berliner, könnte sich bestätigt fühlen, warum er der Hertha einen Korb verpasste und das Angebot in Berlin ablehnte. War denn wirklich abzusehen, was Werner Gegenbauer mit seinem Michael Preetz hinterlassen hat? Es gibt Insider, die behaupten: „Es wird Jahre dauern, ehe Hertha wieder ins ruhigere Fahrwasser kommen wird!“

Sportlich wurden ja angeblich Verstärkungen verpflichtet, weil soviel Geld vorhanden war, dass andere Vereine neidisch werden konnten. Jetzt sollen Hertha-Mitglieder wieder etwas spenden, leider ohne zu wissen, wohin das Geld, der Windhorst-Millionen versickert ist.

Christian Zschiedrich kommentiert: Foto: Sportick

Zum Rückrundenstart drängt sich der Vergleich mit dem 1. FC Union auf. In den beiden Spielen, in denen Hertha keinen Punkt ergattern konnte, holte Union, aktuell Tabellenzweiter, sechs Punkte und bleibt ein Bayern-Jäger. Mit 3:1 wurde die TSG Hoffenheim und dann auswärts 2:1-in Bremen gewonnen. Die Bilanz sind stolze 33 Punkte, Hertha hat als Tabellenvorletzter 14 Punkte, dazu ein negatives Torverhältnis, steht mit Schalke auf einem direkten Abstiegsplatz.

Im Heimspiel gegen Union sollte nicht weiter an Boden eingebüßt werden. Zumal die Gangart der mit gefährdeten Vereine, mit Ausnahme von Bochum, dazu führte, dass sie punkten konnten. Augsburg gewann 1:0 gegen Gladbach und der VfB Stuttgart holte mit Trainer Bruno Labbadia in Sinsheim immerhin einen Punkt.

Apropos Labbadia, warum wurde der überhaupt bei Hertha entlassen. Ich fand ihn gar nicht so schlecht in Berlin. Es war ihm nur ein knappes Jahr in Berlin vergönnt. Seine Ausbeute eher mager, 28 Spiele lange stand er an der Seitenlinie – 8 Siege, 6 Unentschieden und 14 Niederlagen, 10,7 Punkte pro Spiel.

Hertha in der Krise. Nach dem 0:5 wurde Trainer Sandro Schwarz trotzdem eine Jobgarantie gegeben. Trainerentlassungen kosten eben Geld. Hertha wird das Stadtderby schon gewinnen?

Christian Zschiedrich

Siegesserie der Eisbären hält an

Es läuft wieder bei den Eisbären. Die Siegesserie hielt auch gegen Straubing. Mit einem 3:0 Vorsprung konnten sie das letzte Drittel in Angriff nehmen. Die Tore hatten bis dahin nur einen Schützen und der heißt Leonard Pföderl. Der Mittelstürmer ist wieder völlig beschwerdefrei und das macht sich bemerkbar. Das 1:0 und 2:0 fielen im Anfangsdrittel, assistiert von seinen Reihenkollegen Kevin Clark und Marcel Noebels.

Beide Teams gingen diszipliniert zu Werke, die Strafbankrichter hatten wenig zu tun. Das 3:0 fiel im Mittelabschnitt im 4 gegen 4, Trenton Bourque und Eisbär Kevin Clark mussten gemeinsam in die Kühlboxen. Es war mehr Platz auf dem Eis und den nutzte eben Pföderl und überwand Straubings Goalie Hunter Miska.

Das 4:0 besorgte im Schlussdrittel Marco Nowak, es war ein ähnlicher Treffer wie am Sonntag zuvor gegen Wolfsburg. Einfach mal beherzt aus dem Hintergrund abgezogen.

Im Tor der Eisbären hatte Juho Markkanen den Vorzug vor Tobias Ancicka erhalten. Sein Traum von einem Shutout machten die Gäste aus Bayern in der 54. Minute zunichte. Travis St. Denis traf zum 1:4 aus Sicht der Tigers. Einen entscheidenden Einfluss auf das Spiel hatte der Treffer nicht mehr. Die Eisbären hatten das Spiel und den Gegner im Griff, blieben konzentriert und holten sich erneut drei Punkte. Die Pre-Playoffs bleiben in Sichtweite. Am Mittwochabend, 25.01.2023, hatten sich 9.724 Zuschauer eingefunden und hatten erneut Grund zum Feiern.

Hans-Peter Becker

Foto: © Stephan Wenske

DEL 46. Spieltag 25.01.2023 19:30 Uhr MB-Arena Berlin

EHC Eisbären – Straubing Tigers 4:1(2:0/1:0/1:1)

Hertha am Boden

Hertha beschließt die Hinrunde auf einem Abstiegsplatz. Nicht verwunderlich aufgrund der gezeigten Leistungen nach der WM-Pause. Magere 14 Punkte, lediglich 3 Siege und 5 Unentschieden schlugen zu Buche. Das kann so nicht weitergehen.

Immerhin fanden noch knapp 30.000 Besucher bei nasskaltem Wetter den Weg in das Olympiastadion. Bis auf die Kolonie der mitgereisten Fans aus Wolfsburg wurden sie bitter enttäuscht. Da stand keine Mannschaft auf dem Platz, keine Gegenwehr, es fehlte an allem, völlig zu Recht sprach Fredi Bobic „von der bisher schlechtesten Leistung.“ Über das mit 0:5 verlorene Spiel muss wohl nichts weiter gesagt werden. Wenn das so weitergeht, ist in der kommenden Saison Zweitligafußball angesagt.

Die Rückrunde startet am kommenden Samstag, 28.01.2023 und es kommen die Eisernen aus Köpenick, die aktuell dem Ortsrivalen in allen Belangen überlegen sind. Erstaunlicherweise ist das Derby, 3 Tage vorher, noch nicht ausverkauft. Selbst das lässt tief blicken.

Was ist da los? Diese Frage treibt das blau-weiße Fußball-Berlin um. Der Bobiceffekt scheint verpufft und auch der Präsident, er konnte zwar zwischenzeitlich die Fans zurückgewinnen, scheint zunehmend ratloser.

Der Ortsrivale geht als haushoher Favorit ins Rennen. Ein bisschen hoffen sie bei der Hertha, dass Derbys eigene Gesetze haben und es immer mal ein Wunder gibt. Ohne eigenes Dazutun wird es nicht gehen. Das Fußballspielen sollten die gutbezahlten Profis der Hertha eigentlich nicht verlernt haben. Dazu ist Trainerstab gefragt, Bobic ja einen großen Stab von Analysten mit nach Berlin gebracht, die Mannschaft wieder in die Spur zu setzen. Da kommt so ein Derby vielleicht gerade recht.

Hans-Peter Becker

Wasserfreunde wollen zweiten Heimsieg in der Champions League

Nach dem Sieg gegen Budapest soll der zweite Heimsieg gegen Brescia folgen

Die Champions-League-Hauptrunde mit ihren opulenten 14 Spieltagen zur Ermittlung der je vier Final 8-Teilnehmer in den beiden Achtergruppen nähert sich in dieser Woche der Halbzeit. Am 6. Spieltag nehmen die ersten Vorentscheidungen mehr und mehr Gestalt an. Aus Sicht der Wasserfreunde Spandau 04 zeichnet sich ein durchwachsenes Fazit ab. Nach bislang fünf Partien fällt das Resümee für den Gruppen-Fünften mit fünf Punkten weder überschwänglich noch aussichtlos aus.

Vor allem der 11:10-Heimerfolg gegen FTC Budapest am 11. Januar, mit dem sich das Team auch für davor bereits gezeigte gute Leistungen belohnte, machte Mut. Die Ungarn, mit neun Zählern Gruppen-Dritter, zählen durchaus zu den Großen in ihrer Sportart, gegen die Punktgewinne auch psychologisch auf der Habenseite verbucht werden dürfen. Die Azzurri waren in der Vorsaison Vierter des CL-Final 8, nachdem sie übrigens das Bronze-Match gegen FTC Budapest mit 12:14 verloren hatten. Im laufenden Wettbewerb haben sie bislang auf ebenso hohem Niveau weitergemacht.

In Gruppe B liegt Brescia mit vier Siegen und einer Niederlage gegen VK Novi Beograd mit 12 Punkten hinter den Serben (13) auf Platz 2 des Feldes und kommen damit als Favorit nach Berlin. Ihr Kader aus italienischen Auswahlakteuren und serbo-kroatischen Assen ist exzellent, individuell herausragend und schwer ausrechenbar. Aber auch Spandau ist zuletzt immer besser zusammengewachsen und in der Breite unübersehbar stärker als in den Jahren zuvor. Die Resultate waren bisher entsprechend und trotz einigen schwächeren Phasen in den Spielen ließen sie noch Raum für weitere Steigerungen.

Das Berliner Team muss seine Möglichkeiten zu 100 Prozent abrufen, um gegen den Favoriten aus der Lombardei zu gewinnen. Wenn dieses gegen Brescia gelingt, bleibt die Mannschaft von Trainer Athanasios Kechagias weiterhin in diesem Jahr ungeschlagen.

Quelle: Peter Röhle/Wasserfreunde Spandau 04

Union obenauf – Hertha rutscht ab

Es war der vorletzte Spieltag der Hinrunde, Hertha fast ganz unten und Union obenauf, das gewohnte Bild hat sich verfestigt. Hertha hatte in Bochum erst Pech und ergab sich dann dem Schicksal. Ganz anders die Eisernen, sie drehten das Spiel und zeigten unbändigen Einsatz.

Hertha spielte wie ein Absteiger. Absurd das zweite Gegentor, da kam die Leihgabe Keven Schlotterbeck völlig frei stehend zum Kopfball. Dafür gibt es spätestens seit der A-Jugend Extratraining. Es war übrigens der einzige Eckball, den Bochum im Spiel hatte. Die Hauptstädter hatten sechs Eckbälle, die allesamt kläglich zelebriert wurden. Der Gesamteindruck war nicht gut, so wird es ganz schwer mit dem Klassenerhalt. Unter Woche kommen die Wolfsburger vorbei und nur vier Tage später die Köpenicker, die zuvor in Bremen ran mussten. Nur so nebenbei, in der vergangenen Saison hatten die Herthaner nach 16 Spielen vier Punkte mehr auf dem Konto, am Ende stand die Relegation. Ob es wohl dieses Mal besser läuft? Die Mannschaft muss begreifen, dass ab jetzt jedes Spiel den Charakter eines Endspiels hat. Es muss gepunktet werden, sonst kommen in der nächsten Saison die Gegner aus Heidenheim, Hannover oder Paderborn.

Die Eisernen bauen weiter auf, nicht nur ihre Erfolgsbilanz, auch der Stadionausbau soll bald beginnen. Der aktuelle Tabellenstand ist eine hübsche Momentaufnahme, es wäre am Ende der Saison die Qualifikation für die großen Fleischtöpfe der Champions-League.

Hans-Peter Becker

Volleyball 2. Bundesliga Damen: BBSC konsequent im Schnelldurchlauf

BBSC Berlin – BSV Ostbevern     3:0          (14, 15, 16)

Am Samstagabend, 21. Januar 2023 besiegte der BBSC Berlin den BSV Ostbevern aus dem Münsterland im Schnelldurchlauf mit 3:0.

Trainer Jens Tietböhl hatte für das Spiel endlich wieder deutlich mehr Auswahl im Aufgebot – die Anzahl der Verletzten und Kranken war klar reduziert. Von Beginn an setzten die Berlinerinnen die Gäste mit sehr aggressivem Aufschlagspiel derart unter Druck, dass diese viel zu häufig zu Eigenfehlern verleitet wurden. Ostbeverns Trainer Dominik Münch versuchte mit Auszeiten, sein Team neu auf die Partie einzustellen – freilich nicht so recht mit Erfolg. Die heute laute Halle mit einer Vielzahl von Berliner Fans, die vor der Partie euphorisch den Union-Sieg gegen Hoffenheim gefeiert hatten, war ob der Berliner Dominanz froh gestimmt. So froh, dass einige fußballstadionlike meinten, ihrer Begeisterung durch den Wurf von Toilettenpapierrollen auf das Spielfeld Ausdruck geben zu müssen. Was im Stadion toleriert wird, funktioniert in der Halle wegen der Verletzungsgefahr der Akteurinnen zwangsläufig nicht. Nachdem einige Belehrungen und Bitten über die Lautsprecheranlage nichts gefruchtet hatten, ordnete das Schiedsgericht schon beim Stand von 24:14 des 1. Satzes eine 10-minütige Unterbrechung zur Abkühlung der Gemüter an. Danach ging es trotz aller Euphorie tatsächlich ohne Toilettenpapierwürfe, aber mit lautstarken Schlachtrufen im Chorus weiter.

Wer auf Ostbeverner Seite gehofft hatte, dass sich das Gästeteam fängt und zur Stabilität zurückkehrt, wurde nur Anfang des 2. Satzes nicht enttäuscht. Der BBSC nahm erneut den Rhythmus auf und zog Mitte des Satzes erneut davon. Ostbevern hatte auch im 3. Satz zu wenig Substanzielles entgegen zu setzen – Fehler in Annahme und Angriff begünstigten zu häufig die Berliner Punkte. Die Berlinerinnen überzeugten mit hoher Konzentration nahezu über die gesamte Spieldauer und dem bekannten Teamwork auf dem Feld. Die Block-Feldabwehr funktionierte zuverlässig.

BBSC Trainer Jens Tietböhl freute sich über den „ersten 3:0 Heimerfolg der Saison und das sehr souverän und mit wiedergewonnener Sicherheit in den Angriffsaktionen“. Aufgabe bleibe es, das Leistungsniveau auch bei den kommenden schweren Aufgaben zu halten.

Die MVP-Medaillen des Abends gingen an Sophia Falla (Ostbevern) sowie Alina Gottlebe-Fröhlich (BBSC).

In der Liga folgt am nächsten Wochenende das Auswärtsspiel beim Überraschungssieger des Spieltags, dem TSV Bayer Leverkusen, der den Tabellenkrösus Borken mit 3:1 nach Hause schickte. Am Samstag, dem 4. Februar 2023 findet um 19:00 Uhr das nächste Heimspiel in der Hämmerlinghalle, dann gegen Essen statt.

Für den BBSC im Einsatz: Marie Dreblow, Natalie Sabrowske, Katharina Kummer, Roxana Vogel, Josepha Bock, Annalena Grätz, Annika Kummer, Antonia Heinze, Katharina Haferkamp, Antonia Lutz, Alina Gottlebe-Fröhlich, Priscilla Gatzsche, Angelina Meyer

Burkhard Kroll